
Adventssingen in Hamruden
Eine Einleitung besonderer Art der Adventszeit bereitete dieses Jahr der Bachchor allen Liebhabern schöner Musik vor: In Adventu Domini. Dargeboten wurde eine Auswahl von Titeln die schon fast als musikalische Reise bezeichnet werden kann. Nicht nur, Raum- sondern auch Zeitreise, denn es ging von Komponisten aus dem Burzenland bis hinauf in den Norden, dort wo – so behaupten es die Märchen wenigstens – der Weihnachtsmann wohnt, nämlich nach Norwegen. Zeitreise, weil mehrere Jahrhunderte Musikschaffens abgedeckt wurden. Als Besonderheit muss noch hervorgehoben werden, dass die verschiedenen Konfessionen der Chormitglieder als auch ihre Sprachverschiedenheit voll zur Geltung kamen: das Repertoire umfasste Stücke in Latein, Deutsch, Ungarisch und Rumänisch, wobei eines auch noch zur Hälfte Norwegisch vorgetragen wurde. Alle widerspiegelten in verschiedenen Variationen die Vorweihnachtszeit, die „Zeit der Erwartung“ wie sie von Pfarrer Siegmar Schmidt in seiner Ansprache bezeichnet wurde, eine Ansprache welche sich auf den Einzug Christi in Jerusalem bezog - eine erfüllte Erwartung.
Mit hohen Erwartungen waren auch die sehr zahlreichen Besucher der Veranstaltung gekommen, dabei sind mit Sicherheit auch diese durch die musikalische Leistung erfüllt worden. Dass in der Kirche welche nie geheizt wurde, trotzdem niemandem kalt war, ist auch dieser Leistung zuzuschreiben.
In bedeutend wärmerer Umgebung setzte ein Teil des Chores seine musikalische Reise fort als die geladenen Gäste eine kleine Mahlzeit in trauter Runde einnehmen konnten. Dass dabei die mit Abstand beste Speise der „evangelische Speck“ war, ist eine Selbstverständlichkeit, wobei die Vielfalt der Variationen des Rezeptes immer für eine angenehme Überraschung sorgen.
Hans Butmaloiu
Adventssingen in Deutsch-Tekes
Trotz den aus Kronstadt mitgebrachten elektrischen Heizkörpern und dem Notgenerator war es am Sonntag in der Kirche von Deutsch-Tekes kalt. Die erste Adventskerze brachte aber auch hier Licht und Wärme. Und hinzu kam der Gesang, weil der Kronstädter Bachchor in Absprache mit den Tekesern zu einem Adventsingen eingeladen hatte.
Wird heute von Sachsen aus Tekes gesprochen, so sind einige Ergänzungen notwendig. Sieben gibt es noch, sagt Kirchenkurator Michael Depner. Die Kirche ist nun für sie zu groß geworden, das inzwischen rückerstattete Kircheneigentum (zum Predigerhaus kommt auch das Schulgebäude und der Kindergarten hinzu) erst recht. Aber man kann, wie Dechant Christian Plajer es beim Gottesdienst nannte, auch von einer „hoffnungsvollen Erweiterung“ sprechen. Das gilt nicht strikt für einen Tag und ein Ereignis, sondern für die Zukunft. Ein Zeichen dafür sind die neuen Mieter im Pfarrhaus: Lydia und Herbert Zapf aus Deutschland. Sie haben das große Pfarrhaus saniert. Mit ihnen kamen auch neue Anregungen: Rund um das Pfarrhaus könnte Tekes ein Begegnungszentrum werden, nicht nur für die ausgewanderten Dorfbewohner, sondern auch für Künstler, Touristen, für Rumänen, für andere Minderheiten. Die rund hundert Sänger, Gäste aus Kronstadt, Schäßburg, Schweischer und wohl auch aus anderen Gemeinden wurden nach dem Gottesdienst zu Kaffee, Tee und Kuchen ins Predigerhaus eingeladen, wo dann der Chor ein Ständchen für Lydia Zapf als gute Gastgeberin brachte.
Auch die Orgel gelangte ins Gespräch durch diesen Sonntagsausflug zu Beginn der Adventszeit nach dem abgelegenen und zum Teil nur über schlechte Straßen erreichbaren Deutschtekes. Dass diese 1757 von Johann Baumgarten gebaute Orgel heute noch hier stehe, sei ein Wunder, sagt Steffen Schlandt. Sie hat, seit Händels Zeiten bis heute, schwere Zeiten überlebt, benötigt nun aber einer von Fachleuten betreuten Renovierung. Holzwurm und Marder bedrohen nun dieses zerbrechliche Instrument. Die Orgel war auch der Anlass, dieses Adventssingen gerade in Tekes abzuhalten. Sie kam dann am Ende des Gottesdienstes und des dazugehörenden musikalischen Rahmens auch zum Einsatz. Erste Spenden von den Teilnehmern konnten eingesammelt werden; die Orgelwerkstatt aus Honigberg, vertreten durch Herrn Ferdinand Stemmer, gab bekannt, eine Einsatzwoche Sanierungsarbeit an der Orgel und 100 Lei zur Verfügung zu stellen.
Als die Glocke am Sonntag, um 14.30 Uhr, zum Gottesdienst rief, freute sich auch eine alte Frau die gerade die schlammige Straße neben der Kirche hinaufstieg. Das Glockengeläut mache sie gesund, sagte sie auf Rumänisch. Mit ihren 81 Jahren freue sie sich, wenn wieder Sachsen sich in der Kirche versammeln. Weshalb wohl diese guten Leute jetzt weit weg leben, zumal sie da große Häuser, „wie in der Stadt“, zurückgelassen haben, fragte sie sich kopfschüttelnd mit lauter Stimme und ging weiter ohne eine Antwort zu erwarten.
Tatsächlich, die Kirche hätte ohne die Tekes-Gäste an diesem Sonntag einen trostlosen Eindruck hinterlassen. Im Winter wird sie auch nicht für Gottesdienste genutzt. Diese finden in dem benachbarten Predigerhaus statt, in der „Winterkirche“ wie sie der Repser Pfarrer Siegmar Schmidt nennt, der auch Tekes seelsorgerisch betreut. In der Kirche waren sechs-sieben sächsische Pelztrachten an den Kleiderhaken zu sehen. Ihr Anblick dürfte nicht die Herzen erwärmt haben, weil sie ja eher als stellvertretend für die einstige Kirchengemeinde da hängen. Die erste Adventskerze, die Adventslieder und die vollen Kirchbankreihen waren aber der beste Ersatz für die mitgebrachten Heizkörper die nicht auf Bestellung eine „warme Kirche“ garantieren konnten.
Ralf Sudrigian
Samstag, den 25. Oktober, 18 Uhr, fand in der Kirchenburg von Weidenbach die Wiedereinweihung der restaurierten Prause-Orgel statt. Diese Orgel ist 1786 von dem preußischen Orgelbauer Johannes Prause erbaut worden. In den letzten Jahren verschlechterte sich der Zustand dieser Orgel und nur durch eine große finanzielle Unterstützung des Kronstädter Stadtrates und des Weidenbächer Lokalrates konnte diese Orgel von der Schweizer Orgelbauwerkstatt in Honigberg restauriert werden.
ww. Kronstadt – Mit einem stimmungsvollen offenen Adventssingen, das am Sonntagnachmittag in der evangelischen Kirche von Weidenbach/Ghimbav stattgefunden hat, wurde die Adventszeit im Burzenland eingeläutet. Der Initiator dieses Ereignisses war Steffen Schlandt, Dirigent des Kronstädter Bachchores und Organist an der Schwarzen Kirche, der systematisch das Ziel verfolgt, mittels musikalischer Veranstaltungen die Burzenländer evangelischen Kirchen und die darin befindlichen Denkmalorgeln ins Blickfeld der interessierten Öffentlichkeit zu rücken.
Das Adventssingen in Weidenbach war sehr gut besucht. Ortsansässige und Besucher aus umliegenden Ortschaften hatten sich eingefunden. Anwesend waren auch die Kinder aus zwei Kinderheimen, die in Weidenbach mit schweizerischer bzw. deutscher Unterstützung arbeiten. Im Publikum befanden sich ferner Vertreter kommunalpolitischer Gremien, z. B. Aristotel Cãncescu, Vorsitzender des Kreisrates Kronstadt/Brasov, der Weidenbacher Bürgermeister Dorel Toma und mehrere Weidenbacher Stadträte.
Für das offene Singen hatte Steffen Schlandt mehrere schöne Adventslieder ausgesucht, darunter „Es kommt ein Schiff geladen", „O Heiland, reiß die Himmel auf", „Maria durch ein' Dornwald ging" und „Tochter Zion, freue dich" sowie die rumänischen Weihnachtslieder „La Vifleem, colo-n jos" und „Sus la poarta raiului". Es begleitete ein Bläserquartett, bestehend aus Pfarrer Dr. Peter Klein (Trompete), Hans Sârb (Waldhorn), Andreas Philippi (Posaune) und Adrian Sãmean (Bassposaune). Zwischendurch stellten sich der Zeidner Kirchenchor und der Heldsdörfer Kirchenchor, beide unter der Leitung von Klaus Dieter Untch, jeweils mit eigenen Darbietungen vor, und der Kronstädter Bachchor sang u. a. einen Choral aus dem „Weihnachtsoratorium" von Johann Sebastian Bach. Besinnliche Worte zur Begrüßung und im Laufe der Veranstaltung sprachen Dechant Christian Plajer und der junge Diplom-Theologe Martin Meyer aus Deutschland, der zurzeit der Kronstädter Honterusgemeinde ein Praktikum absolviert.
Zwischendurch erklangen auch Bearbeitungen von Weihnachtsliedern für Orgelsolo. Es spielten Klaus Dieter Untch und Eckart Schlandt. Die Weidenbacher Orgel ist ein Werk von Johannes Prause aus dem Jahr 1786. Sie hat einen schönen Klang, doch ist ihr Potential zurzeit nur zu etwa 40 Prozent ausschöpfbar, sagte Steffen Schlandt. Die Orgel soll restauriert werden. Mit dem Sammeln der nötigen Geldmittel wurde bereits begonnen.
Ein bedeutendes Instrument in beklagenswertem Zustand Benefizkonzerte zugunsten der Prause-Orgel in Bistritz / Von Kurt Philippi
Die großen Instrumente der siebenbürgischen Orgellandschaft (Sauer-Orgel in Hermannstadt/Sibiu, Buchholz-Orgel in der Schwarzen Kirche Kronstadt/Brasov, Hahn-Orgel in Mediasch) sind innerhalb der letzten zehn Jahre restauriert oder vollständig überholt worden. Ein wichtiges Instrument wartet noch auf die Sanierung: Die Johannes-Prause-Orgel in der Bistritzer evangelischen Stadtpfarrkirche. 1795 erbaut, wurde sie bisher zweimal saniert und dabei mehrfach verändert. Heute ist die Orgel wieder in einem so schlechten Zustand, dass weitere Restaurierungsarbeiten dringend erforderlich sind.
Damit die Erneuerung beginnen kann, organisierte die evangelische Gemeinde aus Bistritz im Herbst 2006 drei Benefizkonzerte in ihrer Stadtpfarrkirche:Am Sonnabend, 23. September 2006, um 17 Uhr, sang der Bachchor der Schwarzen Kirche aus Kronstadt unter der Leitung von Steffen Schlandt die "Große Credo-Messe" in C-dur (K.V. 257) von Wolfgang Amadeus Mozart. Im gleichen Konzert sang der "Canzonetta"-Chor aus Kronstadt unter der Leitung von Ingeborg Acker Werke von Johann Pachelbel (1653-1706) und Mozart (1756-1791).
Danach bestritt der Jugendchor des Kronstädter Bachchores in Deutschland weitere Benefizkonzerte zugunsten der Bistritzer Orgel geben. Finanziert wurde diese Reise vom Erlös der diesjährigen Konzertreihe "Diletto musicale" in der Tartlauer Kirchenburg. Der Jugendchor (BBC alias Baby Bach Choir) verkaufte seine neue CD in Deutschland ebenfalls zugunsten der Bistritzer Prause-Orgel. Der Erlös dieser Fahrt betrug insgesamt 6000 EURO.
Für alle drei Konzerte stellte die Honigberger Orgelwerkstatt ihr Orgelpositiv kostenlos zur Verfügung. Die Reisekosten der beiden siebenbürgischen Bachchöre hat dankenswerterweise das Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart übernommen.
Die evangelische Kirchengemeinde Bistritz verbindet damit die Hoffnung, dass die Restaurierung ihrer großen Prause-Orgel einen guten Anfang nimmt. Das wünschen sich auch alle Beteiligten an diesem Projekt.